Die Sonne geht auf in Combarro, weich und orange fällt sie durch das Fenster. Es ist noch ruhig draußen und die beste Zeit, noch vor dem Frühstück ein paar Eindrücke von den leeren Gassen zu sammeln.


Am Ufer stehen die Hórreos, die alten galicischen Getreidespeicher, dicht aneinander, gestreift von den Strahlen der aufgehenden Sonne, die über das Meer gleitet. Sie sind das Wahrzeichen des Dorfes und einzigartig. Nirgendwo sonst in Galicien findet man nahe am Meer eine so eindrucksvolle Reihe an bis zu 330 Jahre alten Hórreos.

Hórreos im Morgenlicht


Man hat sie auf steinerne Pfeiler gebaut, damit die Feuchtigkeit nicht von unten aufsteigen kann. Zwischen den Pfeilern und dem Speicher liegt eine flache runde Steinplatte, sie soll den Zugang für Mäuse und Ratten verhindern. Durch die schmalen Schlitze in den Seitenwänden wurde das gelagerte Getreide, die Bohnen oder der Mais belüftet, damit kein Schimmel entstand.


Diese Bauweise ist genauso einfach wie genial.
Jeder Hórreo trägt ein verziertes Dach, an dessen einem Ende ein christliches Kreuz und am anderen Ende meist ein spitzer Stein oder Ähnliches zu sehen ist. Schutz gegen Unheil wurde bei der christlichen sowie bei der vorchristlichen Tradition gesucht.

Interessant ist, dass die Bewohner gleichzeitig Bauern und Fischer waren. Morgens sah man sie auf dem Feld und nachmittags und nachts fuhren sie zum Fischen aufs Meer.
Ihre Felder waren oft auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht, deshalb stehen die Speicher so dicht am Ufer, neben Fischerhäusern und Booten.


Im historischen Ortskern begegnen uns sieben Cruceiros, verzierte Granitkreuze aus dem 18. Jahrhundert, die den Reisenden beschützen sollen. Natürlich besuchen wir alle sieben, denn heute geht es über den Berg.
Alle Pilger, die wir später am Tag noch treffen werden, schwärmen von der zauberhaften Atmosphäre in Combarro, das jeden, der es durchwandert, kurz in die Vergangenheit entführt.