08.10.2019

Koshi und Oleander

Von Poiseul-les-Saulx aus kommend beziehen wir unser ritterähnliches Landgut in Vernot.

Der Rittersaal in der Trutzburg

Die mindestens 12 Betten in fünf Zimmern können wir kaum ausfüllen. Zunächst geht es ja auch darum, die Grundbedürfnisse zu stillen. Gott sei Dank hat Chora Nudeln und Brühe aufgesetzt. In Kombination mit den letzten Vorräten aus den Rucksäcken stellen wir fest, dass es wenig braucht, um glücklich zu sein.

Welch ein ungewohnter Blick: die Sonne. Wir starten ohne Regencapes, mit zwei Lagen weniger, die Ausnahme bildet Fijula. Koshi trägt Sonnenbrille. Automatisch wird die Stimmung noch besser als sonst, obwohl wir unseren Plan, um 10.00 Uhr zu starten, erst um 11:51 Uhr umsetzen.

Allerdings holt uns der Wind bereits am Rathaus ein und wir rüsten auf. Ein zarter Anstieg, wie fast immer, ist der Beginn unserer heutigen Etappe.

Einige Zeit später begegnet uns eine Frau am Feld mit einem großen Hund. Ein kleiner Dialog entspinnt:

Französisch für Fortschreitende

Froggy: C‘est un petit cheval (kleines Pferd)

Madame: Non-c‘est un chien (Hund)

Froggy: Oui-un petit cheval!

Madame: Non-c‘est un chien

Froggy: Oui-un petit cheval!

Madame: Non-c‘est un chien

Froggy: Oui-un petit cheval!

Madame: (inzwischen ziemlich verunsichert): un chien…

Der geneigte Leser mag erkennen, dass unsere Fremdsprachenkenntnisse schon weit vorangeschritten sind. Wir laufen an Feldern vorbei und treffen nach langer Zeit unsere Freunde, les belles vaches. (die schönen Kühe)

Und dann sehen wir von weitem eine weitere Attraktion: meterhohe Marshmallows in Pastelltönen. Ob man die essen kann?

Apropos – haben wir schon verraten, dass wir Hunger haben? Unser einziges Ziel für heute ist es, etwas Essbares aufzutreiben. Von daher treibt es uns nach Courtivron, dort gibt es eine Boulangerie – die einzige im Umkreis von 15 km. Um 14:10 Uhr kommen wir dort an , doch der Laden ist geschlossen. Wir überlegen, ob wir eine Fahrgelegenheit nach Poiseul suchen – dann könnten wir rein theoretisch zu Fuß zu den Ladenöffnungszeiten wieder zurück sein. Nach einer Pause laufen wir weiter, angeblich eine Abkürzung. Ihr ahnt es schon…

Wir laufen bergauf und treffen auf einen Zaun. Es geht nicht weiter. Kommando zurück. Im Dorf erneut angekommen, ist es nur noch eine Stunde bis zur Ladenöffnung. Wir ziehen die Wanderschuhe aus. Der Countdown läuft.

„Geduldig“ warten wir bis 16:30 Uhr. Das „Kaufland“ in der Bourgogne öffnet. Wir entern den Laden und kaufen, was das Herz begehrt… ohh!! bzw. was der Laden vorhält (Nudeln, Chips, Brot, Wein,…). Die Beute schleppen wir mit stolz erhobener Brust 10 km nach Hause.

Die Bedürfnisse sind unterschiedlich und versammeln sich um den Tisch.

Abends gibt es ausnahmsweise Nudeln! Mit Tomatensauce und Rotwein.

Das Leben ist schön!