von Fijula

5.30 Uhr in der Herberge San Nicolas. Aufstehen, anziehen, Rucksack packen. Die Nacht war kalt, alle Pelerins bestätigen das. Jede hat versucht, noch etwas aus dem Rucksack zu zerren mitten in der Nacht, als die Kälte kam.
Wir wollen früh los, um diese Kälte auszunutzen. Für heute sind 38 Grad angesagt und das treibt so manchem schon den Angstschweiß auf die Stirn.
Wir verlassen die Herberge und streben zurück zur Brücke, von der wir den Jakobsweg wieder aufnehmen. Wir sind nicht die Einzigen. Immer mehr Rucksacktragende kommen aus den wenigen Häusern des Ortes Larrasoane.
Alle eilen gen Pamplona, natürlich erst einmal bergauf! Die Pelerins verteilen sich auf einen Kilometer. Abwechselnd läuft immer eine mit Froggy, deren Fußleiden ihr schwer zu schaffen machen. Wenn die Füße nicht mitmachen, ist die Pilgerin aufgeschmissen. Es gibt nur laufen und leiden oder nicht laufen und leiden. Es gibt nichts dazwischen und alle leiden mit ihr. Wir teilen den Schmerz und die Verzweiflung. Probieren das eine und das andere, aber nichts hilft.

Die erste Bäckerei „La Parada de Zurian“, ist so voll, dass wir beschließen weiter zu laufen. Wir geben Froggy und Fleur Bescheid. Jetzt geht es an der Landstraße entlang nach Irotz. Ich möchte in keinem Ort wohnen, der irgendwas-rotz heißt. Es gibt viele Rotze hier.
Der Ort selbst hat diesen Namen nicht verdient. Er ist eine schlafende Schönheit. Nur ein paar Katzen und ein Hund betachten die Kolonne der Pilger*innen.
Die Sonne beginnt, über die Berge zu klettern. Golden glänzen die abgemähten Kornfelder im Morgenlicht.

Der Hund wohnt in Irotz

An einem Rastplatz nahe einer Straße wird gerastet. Die Froschfüße brauchen Zuwendung und auch die anderen Füße sind dankbar, mal kurz aus den Schuhen zu kommen. Die nächste Steigung lauert schon hinter den Büschen. Wir hören die Pilger hochkeuchen und verlängern unsere Pause.


10 Uhr – es wird warm. Wir müssen da jetzt hoch, bevor es noch wärmer wird, und Froggy geht schon mal vor. Der altbekannte Robusto, Stock und Stein – aber mehr Stein – in allen Variationen legen sich unter unsere Füße.

In Vilava sind Froggys Reserven erschöpft. Wir beraten uns, als ein Spanier vorbei kommt und fragt, ob wir Hilfe benötigen. Ein Bus oder ein Taxi muss her, sagen wir und deuten auf Froggy, die erschöpft auf ihren Wanderstöcken hängt. Der Mann rät uns, den Bus zu wählen, und zeigt in Richtung Ort. Dort gäbe es Busse nach Pamplona.
Im nahegelegenen Cafe buchen wir eine Unterkunft in Pamplona und suchen die Busverbindung für Froggy. Kurze Zeit später verabschieden wir uns von ihr an der Bushaltestelle.
Wir laufen los. Nach 30 Minuten fällt uns auf, länger keine Zeichen mehr gesehen zu haben. Das ist seltsam, doch wir ignorieren es, denn der Weg am Fluß entlang gefällt uns sehr gut. Nach einer weiteren Viertelstunde schauen wir doch mal nach und merken, dass wir den Jakobsweg schon längst verloren haben.
Mist! Dieser Weg gefällt uns eindeutig besser, aber er ist falsch! Nach weiteren 15 Minuten sehen wir die Bushaltestelle, an der wir Froggy verabschiedeten mit den Worten: „Bis später in Pamplona. In ca. einer Stunde!“
Die Sonne dreht wieder auf. 34 Grad sind es, als wir den Ort verlassen, und 38 Grad, als wir Pamplona Stunden später erreichen.
Jetzt schnell zur Unterkunft, von der Froggy uns ein Bild geschickt hat, wie sie frisch geduscht auf dem Bett liegt.
Die Adresse wird ins Handy eingegeben. Aber mein gespaltenes Verhältnis zu Google Maps bekommt heute einen weiteren Riss. Kreuz und quer führt es uns durch Pamplona. Klar wollen wir die Stadt kennenlernen, aber nicht nach 20 km Fußmarsch und mit 14 Kilo auf dem Rücken!!


Trotzdem ist der erste Eindruck ein schöner. Die Stadt verströmt den Atem von unzähligen Stieren, die durch die Gassen getrieben wurden. Dafür ist die Stadt bekannt. Jede von uns kennt diese Bilder. Heute werden wir durch die Gassen getrieben – von Google. Beharrlich kämpfen wir uns durch, schließlich bezwingt Chora Google Maps nach einem zähen Ringen.
Um 17 Uhr öffnet uns eine verschlafene Froggy die Tür zu unserem geräumigen Appartement. Bienvenido a Pamplona!