von Fijula

„Und was machst du so im Sommer?“

Meine Antwort: „Ich werde den Jakobsweg laufen“

„Ach, du bist dann in Spanien?“

Ich: „Nein zur Zeit in Frankreich.“

„Ich dachte du läufst den Jakobsweg?“

Solche und ähnliche Gespräche gab es in den letzten Jahren viele. Ich habe in ebenso viele verständnislose Gesichter geschaut, als ich sagte ich liefe bis nach Santiago de Compostella aber mich zurzeit in der Eifel befände oder an der Mosel entlang liefe.

Der Jakobsweg ist eng mit Spanien verknüpft und die meisten Pilgergeschichten beginnen und enden in Spanien. Oft sind die Pyrenäen der Ausgangspunkt der Pilgerreise entlang des Hauptpilgerweges „Camino Frances“, der über Pamplona, Logrono, Burgos und Leon nach Santiago de Compostella führt.

Dabei lautet der Satz des Pilgerers „El camino comienza en su casa“ (Der Weg beginnt in Ihrem Haus), das bedeutet du beginnst den Weg vor deiner Tür. Genauso haben wir es gemacht. Wir sind sogar so weit gegangen, noch fern von unserer Haustür zu beginnen. Unser Weg begann im niederländischen Millingen und wir sind zunächst auf unser Haus zugelaufen und dann daran vorbei.

Das bezeichne ich heute als das Überwinden der ersten Hürde. Während wir anfangs also auf „Zuhause“ zugelaufen sind, liefen wir dann irgendwann davon weg. Ja- das ist ein Unterschied.

Wir liefen also den Jakobsweg quer durch Deutschland, denn auch hier gibt es mehrere Jakobswege, die das Land wie Adern durchziehen. Manchmal mussten wir sehr aufpassen, an Knotenpunkten richtig abzubiegen. Einige Umwege sind uns trotzdem nicht erspart geblieben.

Wege durch unberührte Natur

Weil wir nicht in Spanien liefen, waren wir wettertechnisch auch nicht immer auf der Sonnenseite unterwegs. Unser Jakobsweg führte uns durch Minustemperaturen, Sturm und Dauerregen, oftmals hielt mich nur noch der Gedanke an Spanien aufrecht.

Pilgern ist nicht Spanien und der Jakobsweg ist überall. In Frankreich mussten wir uns entscheiden, den schönen aber schweren Weg zu nehmen. Schwer bedeutet in diesem Fall viele Aufstiege und wenig Beschilderung, dafür aber landschaftlich reizvoll. Oder wir hätten den leichten, aber weniger schönen Weg nehmen können, flaches Gelände aber oft entlang einer Straße. Wir entschieden uns für den Weg durch die wilde Natur, die manchmal schon einer Wildnis gleich kam.

Schlechte Beschilderung versuchten wir durch das Erwachen der Sinne und Instinkte auszugleichen. Das klappte zunehmend besser und wir fühlten uns sehr verwegen, wenn wir uns durch hüfthohes Gras und dichtes Unterholz kämpfen mussten. Manche Wege schienen nur einmal gegangen zu sein und das Jahre zuvor, von Jemand der beauftragt war die Schilder mit den Muscheln anzubringen. Wir wollen dem guten Menschen ja nichts unterstellen, aber manchmal lag der Verdacht nahe, dass dieser den einen oder anderen Streckenabschnitt übersprungen oder eher nachlässig beschildert hatte. Die schon erwähnten Sinne und Instinkte halfen uns dort weiter. Der Jakobsweg in Frankreich, zumindest der, den wir wählten,  ist eine besondere Geschichte wert.

Gerne kommt auch diese Frage: „Wann pilgert ihr denn richtig?“  Mit  richtig ist Spanien gemeint. Die 2000 km, die wir bis Spanien laufen, sind dann wohl  falsches Pilgern.

Auch hier mussten wir immer wieder erklären: Der Jakobsweg ist überall – nicht nur in Spanien.

Die Frage: „wann kommt ihr an?“, beantworten wir gerne mit „in fünf Jahren“ – dann wenn wir mit dem Falschpilgern fertig sind.