von Fijula
„Haben Sie etwas Wein für eine zu Tode durstige Pilgerin, bitte?“
„Tiene una poquito de vino para una peregrina muerto de sed, por favor?“
Diesen Satz haben wir auf Anraten unseres Outdoor Pilgerführers auf den Lippen, als wir uns der Weinkellerei nähern. Völlig unnötig, denn die Frau, die uns empfängt, spricht perfekt Englisch.
Ich frage nach der Toilette und werde durch die Weinkellerei geführt. Vorbei an Frauen, die Flaschen verpacken und Gabelstapler fahren. Vorbei an riesengroßen, glänzenden Gärbehältern.

Als ich zurückkomme, serviert die Frau 2 Gläser Wein, zwei Chorizowurst-Stücke in Brot und eine Schüssel Chips. Wir staunen, denn das alles gibt es für nur 1,50 Euro.
Dann fragt sie, ob wir auch den Rosé probieren möchten. Da Chora und ich heute morgen allein unterwegs sind, frage ich mich wiederum, ob es eine gute Idee ist. „ Wir müssen noch 15 km laufen“, sage ich und schaue auf die Uhr. 12 Uhr mittags – okay, das ist in Ordnung.
Sie bringt uns ein halbes Glas Rosé. Andere Pilger kommen vorbei, sehen uns dort sitzen mit unserem Wein und unsern Snacks, halten kurz inne und drehen dann ab, um sich dazu zu gesellen.

Wir unterhalten uns sehr gut, müssen aber irgendwann aufbrechen. Allerdings nicht, ohne den Neuankömmlingen den Rosé zu empfehlen. Der ist wirklich fantastisch. Ich überlege schon, mir eine Flasche in den Rucksack zu stecken und das iPad zurück zu lassen.
Die Entscheidung geht zu Gunsten des iPads aus, sonst hätte ich diese Story wahrscheinlich nicht geschrieben.

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