OleanderWie ein schimpfender Esel (ein echtes I A) bewegt sich die Bahn auf den Bahnhof in Astorga zu. Dort wartet heute Früh im Morgenrot Oleander, die sich getrennt von der Gruppe auf den Weg nach Ponferrada macht. Nach ein paar Tagen Pause wegen heftiger Erkältung erscheint es ihr vernünftiger, die anstehenden 600 Höhenmeter aus zu sparen, auf das Ferro de Cruz zu verzichten und langsam mit kleineren Strecken wieder zu beginnen.
Die vorbeiziehende Landschaft ist eine völlig andere als bisher – hügelig und bewachsen.
Um 8:30 Uhr hat sich die Temperatur von 11° in Astorga auf 4° verringert, etwas später, nach Durchfahrt von mehreren Tunneln, wieder auf 9° erhöht. Die Landschaft ist herrlich anzusehen. Ich befinde mich mitten in den Bergen. Allein für diese Aussicht lohnt sich die Zugfahrt. Diese ist übrigens lang genug, um mich gefühlsmäßig wieder runter zu bringen, denn das Gefühl, die Gruppe zu verlassen und eigene Wege zu gehen, hat mich schon ziemlich nervös werden lassen. Langsam nähere ich mich Ponferrada und ein neuer Anfang an beginnen.
Ponferrada ist keine kleine Stadt und gerade als ich versuche, über Google Maps ein paar Sehenswürdigkeiten zu orten, erklärt mir ein freundlicher Spanier, den Weg zum Camino. Besser noch. Er begleitet mich ein Stück, ob ich nun will oder nicht. Fast auf dem Weg angekommen, weißt eine Polizistin mir den Weg – alle sind sehr freundlich und bemüht. Am Fluss vorbei geht es aus der Stadt heraus auf eine kleine Anhöhe, von der aus der Blick noch einmal auf Ponferrada fällt. Kurz vorher fällt mir noch ein besonderes Schild auf – eine Beschreibung der Burg – ein ganzes Plakat in deutscher Schrift. Für 1 Sekunde denke ich, ich bin hier falsch.
Die weitere Strecke verläuft durch die Sonne, und die wärmenden Klamotten sind schnell im Rucksack verschwunden. Ich durch laufe durch einige kleine Ortschaften, die Pilger werden anscheinend von Ort zu Ort immer mehr. Vor einer Kapelle verkauft eine Frau Pilgerpässe mit den Worten, dass meiner schon fast voll ist.
Rundherum sehe ich Berge in etwas Entfernung. Es ist, als würden sie mich von Weitem umarmen.
Dann laufe ich durch die Weinberge, vorbei am Olivenhain, durch ein kleines Waldstück, wo ein Mann mit Riesenhund im Schatten Pilger Accessoires verkauft. Jeder einzelne Pilger ist froh, einen kurzen Moment im Schatten zu verweilen, und so hat er genau die richtige Stelle für sein Geschäft gefunden.
Schon bald bin ich im Ort angekommen, in dem viele viele Tische und Stühle auf durstige und hungrige Pilger warten.



