
Frühstück in Valença, im Schatten der Kirche. Der Tag fängt gut an. Wir sind umgeben von Souvenirläden. Die letze Gelegenheit, noch ein paar portugiesische Kostbarkeiten einzukaufen. Der schon bekannte Hahn ziert viele der angebotenen Waren. Das ein oder andere passt noch in den Rucksack, an den Finger, um das Handgelenk oder auf den Kopf. Wehmütig lausche ich den Klängen der portugiesischen Sprache in den Gassen. Es ist nur noch eine Brücke, die uns von Spanien trennt.
Chora, Froggy und Tomegrino haben schnell rübergemacht – fort nach Spanien, während Fleur und ich uns noch nicht von Portugal trennen mögen.
Lange lässt sich der Abschied nicht hinauszögern. Nachrichten von den Drübigen drängen uns: „Wo bleibt ihr?“
Wir schleichen zur Brücke. Durch die dicken Mauern der Festung „Fortaleza de Valença“ erreichen wir die legendäre 318 Meter lange Gitterträgerkonstruktion, über die schon seit 1884 der Camino Portuguese führt. Sie gilt als Symbol für die starke Verbindung von Portugal uns Spanien. Es wurden seitdem mehrere Sanierungsmaßnahmen an der Brücke durchgeführt. Wir Deutschen staunen neidisch.

Ein letzter Blick zurück auf Portugal, dann überqueren wir den Fluss Minho und gelangen von Valença nach Tui. Bienvenido a España! Mir war nicht wirklich klar, dass Tui ein Ort in Spanien ist. Ich dachte immer, TUI steht nur für ein Reisecenter.
Spanien wirkt auf den ersten Blick etwas ausgestorben. Es liegt aber nur daran, dass wir uns kurz hinter der Grenze zur Mittagszeit befinden. Plötzlich ist Middach! Jetzt denkt wahrscheinlich jeder, dass die zwei Trödelnasen noch Stunden in den Läden verbracht haben, während der Rest der Truppe Hufe scharrend in Spanien wartete. So ist das nicht, beim Gang über die Brücke verlieren wir eine ganze Stunde. Nicht wegen Trödelei, sondern wegen der Zeitverschiebung. Portugal liegt in einer anderen Zeitzone als Spanien. Deshalb ist hier jetzt Mediodia. In der Mittagszeit schließen die Läden und öffnen erst gegen fünf wieder.

Lange halten wir uns in Tui nicht auf, es verspricht, ein heißer Tag zu werden. Unser Ziel ist O Porriño und liegt noch 20 Kilometer landeinwärts. Jenseits der Stadt entern wir ein Waldgebiet, das die Hitze noch etwas von uns fern hält. Die Freude darüber währt nicht lange. Hinter dem Wald lauert der Asphalt. Asphalt ist der Feind des Pilgerfusses. Die wenigen Blasen, die ich mir in meinen langen Pilgerjahren eingehandelt habe, waren meistens die Folge eines sehr langen Asphalttretens. Das ist nichts für den menschlichen Fuß. Heute lerne ich den Asphalt noch von einer ganz anderen Seite kennen. Es beginnt mit einer fatalen Fehlentscheidung. Auf der Karte zeigt sich eine Abzweigung des Pilgerweges nach links mit vielen Windungen durch ein Waldgebiet oder eine gerade Strecke, die ohne Umwege nach O Porriño führt.

Wir entscheiden uns für die kürzere und gerade Strecke. Im Nachhinein denke ich, dass uns diese schnurgerade Strecke zu denken hätte geben sollen. Denn sie ist genau das. Schnurgerade. Kein Baum, kein Strauch und führt uns über circa vier Kilometer durch ein Gewerbegebiet – natürlich Asphalt. Die Sonne knallt erbarmungslos auf uns nieder. Jetzt lerne ich die Tücke des Asphalts kennen, denn der strahlt erbarmungslos zurück. Die Wärme, die von unten aufsteigt, ist beinahe schlimmer als die von oben.
Von oben gibt es jedoch auch kein Entrinnen. Da fällt mir ein, dass ich meinen kleinen Regenschirm dabei habe. Schon laufe ich in meinem persönlichen Schatten.
Der Weg ist lang und langweilig. Man sieht das Ziel und kommt ihm jedoch kaum merklich näher. Die Gruppe läuft weit auseinander gezogen. Auf halber Strecke entdecken Fleur und ich einen Getränkeautomaten auf der gegenüberliegenden Seite. „Hola“, denken wir und wechseln die Straßenseite. Der Automat sieht etwas vernachlässigt aus, es befinden sich aber noch Getränke darin. Leider bleiben sie auch darin. Die Münzen rasseln durch und kein Getränk landet im Ausgabeschacht. Die Enttäuschung wird über den nächsten Kilometer verarbeitet.

Beim Überqueren einer Fußgängerbrücke trifft die Gruppe wieder aufeinander. Gemeinsam verlassen wir die unsympathische Gerade und laufen auf die Stadt zu.
„Wie weit ist es noch?“ – „Einskommafünf Kilometer.“ Das klingt gut in meinen Ohren. Noch besser klingt die Frage: „Sollen wir etwas Kaltes trinken?“, als wir eine Café entdecken.
Es ist zwar nicht mehr weit bis zu unserer anvisierten Herberge, aber ein kaltes Getränk ist verlockender.
Danach geht es mit neuem Elan weiter. Die Albergue, die wir uns für heute ausgesucht haben, liegt im zweiten Stockwerk eines Restaurants. Im dritten Stockwerk befinden sich Rezeption und Duschen. Im zweiten Stockwerk der Schlafsaal. Das verwirrt nicht nur mich.
Heute schlafe ich mal unten im Etagenbett. Auch das verwirrt mich. Ich stehe immer wieder vor der Leiter.

Nachdem ich zweimal im falschen Stockwerk auf der Suche nach den Duschen war, bin ich frisch und bereit, ein Abendessen einzunehmen. Das gestaltet sich allerdings schwierig. Die meisten Restaurants sind voll, haben Reservierungen oder schließen die Küche. Nach einem unfreiwilligen Stadtrundgang landen wir dann doch wieder bei unserer Albergue, denn da wird gerade ein Tisch frei. Froggy hat die Leute daran erfolgreich überzeugt, dass sie gehen wollen
