Gestern Abend hat Froggy schon gemerkt, dass sie dem Froschbein eine Auszeit geben muss. Auch bei mir macht sich das schon lädierte Innenband bemerkbar. Sofort kramen wir nach 120 Euro Cash und zahlen für eine weitere Nacht in der schönen Wohnung.
Da wir uns quasi in unseren eigenen vier Wänden befinden, gönnen wir uns ein reichhaltiges Frühstück und lassen den Tag ruhig angehen.


Wir laufen heute nur mit wenig Gepäck. Schließlich muss man nicht seinen ganzen Hausrat mitschleppen, wenn man abends wieder zurückkehrt. Weniger Gewicht auf die angeschlagenen Glieder scheint uns eine gute Lösung zu sein.
Danach geht es aus dem Ort hinaus. Falls wir nicht wissen sollten, wo wir sind, steht der Name des Ortes in gigantischen Buchstaben am Ufer.


Wieder geht es am Meer entlang und dann biegt der Weg scharf ab. Wir laufen auf bewaldete Berge zu. Wir kommen vom flachen Land. Für uns ist jede Anhöhe oberhalb des Maulwurfhügels ein Berg.
Es geht also aufwärts durch kleine Dörfer. Hier ist kein Hund begraben, denn sie stehen kläffend an den Zäunen, während wir vorbeiziehen. Die Häuser sehen gemütlich aus. Wir können uns durchaus vorstellen, in dem ein oder anderen dauerhaft zu leben. Überhaupt streifen wir das Leben der anderen, wenn wir an ihrer flatternden Wäsche vorbei wandern, die Gerüche aus deren Küche wahrnehmen, die Menschen ihre Auffahrten kehren oder ihre Autos reparieren sehen. Kurz taucht man mit den Augen in ihre Leben ein.


Hier oben wachsen ganz andere Bäume und die Welt ist grüner. Der Nebel hängt in den Baumwipfeln über uns. Auf der Straße liegt eine Schlange – plattgefahren. Was uns nicht wundert, denn die Autos rasen mit solch einer Geschwindigkeit durch die Gassen, dass auch wir uns manchmal nur durch einen Sprung in die nächste Einfahrt retten können. Ansonsten ist es friedlich.

Wir treffen auf einen Pilgerbrunnen und können unsere Wasserflaschen füllen. Kurz dahinter erblicken wir eine Kirche. Die Kirche ist so aufwendig dekoriert, als wolle sie die Geschichten bildlich erzählen. In einer Grotte liegt „Nossa Senhora da Boa Morte“ – unsere liebe Frau vom guten Tod. Ich bin etwas irritiert. Später lese ich, dass es sich offenbar um die Jungfrau Maria handelt, deren Tod und Himmelfahrt hier groß gefeiert wird. Auch in Spanien, wie wir später noch erfahren werden.


Wir laufen aus dem Ort heraus und beginnen die Busfahrpläne für die Rückfahrt zu entschlüsseln. Nach einigem Herumirren finden wir die Haltestelle, aber laut Tomegrino fährt der Bus erst in 40 Minuten. Die Bushaltestelle ist ein unwirtliches Häuschen und ich will dort keine 40 Minuten auf der Bank verbringen. Wir gehen hinaus, um die letzten Sonnenstrahlen mit dem Gesicht einzufangen. Dies gelingt uns ein paar Schritte entfernt auf einer Mauer. Genau in diesem Augenblick brettert der Bus an uns vorbei. „Wo kommt der denn her – der dürfte gar nicht hier sein“, ruft Tomegrino. Wenig später erscheint ein anderer Bus, der uns zurück nach Esposende bringen kann. Der dürfte laut Tomegrino ebenfalls nicht fahren. Uns ist das egal, wir steigen ein. Der Bus brettert genauso über die Straßen und durch enge Gassen wie die Autos. An Haltestellen verlangsamt er allenfalls etwas. Steht dort keiner, tritt der Busfahrer aufs Gaspedal und schießt weiter. Wie soll er so auch die von Tomegrino geforderten Zeiten einhalten können.

Zurück in unserem Domizil kochen wir uns ein ordentliches Pilgermenü und denken, es wäre eine gute Idee, morgen einen Ruhetag mit Besichtigung der Stadt Viana de Costelo einzulegen. Dahin fährt uns der Bus – vielleicht. Also buchen wir spontan noch eine dritte Nacht – Cash 120 Euro.