Monsieur hat gestern Abend mit meiner Truppe über das Wetter philosophiert. Man kam überein, dass es am nächsten Tag regnen und am übernächsten Tag gar durchregnen werde.

Was tun?

Übermorgen steht die Königsetappe über fast 30 Kilometer Länge hinauf zu den Hospitales an.

Die Schuhe sind wieder trocken gelaufen

Die Ruta de los Hospitales im Dauerregen zu gehen, ist ausgeschlossen. Der Weg führt über tausend Höhenmeter rauf, das reicht allein schon als Herausforderung. Unsere gegenwärtige Planung ist damit hinfällig.

Kurzentschlossen beschließen wir, die Tour zu splitten. Am nächsten Tag würden wir nur 14,5 Kilometer laufen und den Tag darauf nur 12,5 Kilometer. Das klingt so verlockend, dass ich uns zur Krönung noch ein Appartement buche.

„Buenavista“ heißt das Appartment – schöner Ausblick. Der ganze Tag ist ein Buenavista nach dem anderen und der erwartete Regen bleibt größtenteils aus. Hin und wieder wird es etwas dunkel am Horizont, aber uns trifft nur leicht.

Das ehemalige Golgräber-Städtchen Tineo ist schnell errreicht. In den Flüssen um Tineo suchten die Kelten schon nach Gold. Die Römer perforierten die Felsen mit Wasserkraft, auf der Suche nach dem begehrten „Oro“ (Gold).

Wir suchen nur nach unserem Apartment, das etwas außerhalb und natürlich oberhalb der Stadt liegt. Dafür müssen wir den Jakobsweg verlassen und den Berg hochlaufen. Mehrere hilfsbereite Spanier möchten uns auf den rechten Weg zurückführen und bedeuten uns, dass wir falsch laufen.

„Camino está arriba“, zeigen sie wild gestikulierend in eine andere Richtung. „Si“, nicke ich und erkläre im einfachsten Spanisch, dass wir auf dem Weg zum Apartamento seien. Jedes zweite Auto hupt und jedes dritte Auto hält an, dabei wollen wir doch nur zu Buenavista.

Es ist nicht so leicht, in Spanien vom Weg abzukommen. Endlich ist das Appartment erreicht. Es hält viel mehr, als es verspicht. Nicht nur der Blick hinaus ist wunderschön, sondern auch der Blick hinein. Eine tolle Küche, zwei riesige Schlafzimmer mit jeweils einem riesigen Bad daran.

Da es noch recht früh ist, geht 3/4 der Gruppe einkaufen und 1/4 schreibt für den Blog.Chora zaubert ein fantastischen Abendessen und wir blicken zufrieden durch unser Panoramafenster „Buenavista“ auf die Gebirgsketten.

Genau über diesen Ketten geht am nächsten Tag die Sonne auf. Wir haben einen entspannten Start in den Tag, denn die heutige Etappe geht über nur 12,5 km bis nach Campiello. Die Herberge ist gebucht, die Betten sind sicher.

Wir frühstücken ausgiebig.

Die Schuhe stehen vor der Tür in der Sonne und warten auf den Aufbruch. Ja, Sonne! Die Wettervorhersage scheint zu unseren Gunsten etwas ungenau auszufallen.

Pilze am Wegesrand

Der Regen streift uns in vereinzelten Schauern, aber sie sind kaum wahrnehmbar. Wir laufen durch sonnige Wiesen und Waldwege. Pilze sind die einzigen Hinweise auf die herbstliche Jahreszeit. Am Ende eines Waldweges kommen wir zu einem Abzweig. Der Jakobsweg macht einen Knick und geradeaus geht es zu einer Klosterruine. Das Besichtigen der Klosterruine würde uns 500 Meter vom Weg abbringen, da siegt die Neugier.

Es handelt sich um das Kloster von Obonna „Monasterio de Santa Maria la Real de Obonna“. Heute ist es eine Ruine, doch der Glanz vergangener Tage ist spürbar, wenn man durch die alten Gemäuer streift.

Vor dem Kloster ist eine große Wiese und wir beschließen, dort eine Pause in der Sonne zu machen. Es ist auch der perfekte Ort, meine Drohne fliegen zu lassen. Kurz vor der Abreise habe ich beschlossen, dass eine Drohne interessante Aufnahmen liefern würde. Allerdings habe ich vom Drohnenfliegen soviel Ahnung wie vom Boeingfliegn.

Zuhause habe ich sie einmal gestartet und damit meinen Hund verunsichert. Dabei habe ich versucht, mir die Funktion der vielen Knöpfe auf dem Steuerelement zu merken. Jetzt wird sie wieder ausgepackt für ihren zweiten Flug und ich merke, dass ich die Hälfte aller Funktionen schon wieder vergessen habe. Etwas zittrig erhebt sie sich auf Höhe des Klosterturms. Beinahe vergesse ich, meinen Proviant zu essen, so fasziniert bin ich vom „Buenavista“ von oben.

Erste Flugversuche

Es geht weiter Richtung Campiello. Mehrfach sieht es nach Regen aus, doch wir schaffen es rechtzeitig, den letzten Ort vor dem Aufstieg zu den Hospitales zu erreichen. Wir treffen auf Monsieur und seine Gefährtin, die uns ein Brot schenken. Dann checken wir ein, bekommen die Betten 1-4, aber kein Abendessen.

Es ist Sonntag, da gibt es nichts. Allerdings hat der Supermarkt geöffnet und wir können uns mit Grundnahrungsmitteln versorgen.

Gesättigt beschließen wir die frühe Nachtruhe, damit wir Kraft für den langen Aufstieg am nächsten Tag haben.