09.10.2019
Koshi


Am nächsten Morgen sind wir bereits um 10:29 mit gepackten
Rucksäcken vor der Türe. Für unsere Verhältnisse ist das eine gute Zeit, schließlich sind wir fünf Frauen, die sich fertig machen müsen.
Und täglich grüßt das Murmeltier: Erneut wartet ein „kleiner“ Anstieg von anderthalb Stunden auf uns. Wind kommt auf, wir rüsten auf…es plästert.

Ziemlich durchnässt kommen wir in Saussy an und suchen
vergeblich einen Unterstand. Merde…selbst das ist nicht zu finden.
Nach einem Café fragen wir erst gar nicht nach. Also laufen wir weiter, der Wind und Regen dreht auf. Kurze Zeit später sind wir eine Truppe von fliegenden Regencapes.


Nicht umsonst heißt die Route „forrestiers de Grolle“. Es ist grottig. Nach dem Abstieg retten wir uns in ein kleines Waldstückchen. Sind wir etwa auf den Spuren von Amundsen *?
Da lichtet sich der Himmel Und wir laufen tapfer weiter in Richtung Ste Foy, wo eine „Auberge“ und vielleicht auch ein Cappuccino auf uns warten.

Von Weitem sehen wir das Schild „ganzjährig geöffnet“ und schöpfen Hoffnung. Von Nahem sehen wir, dass das Haus wahrscheinlich schon seit Jahren geschlossen ist. Also geht es erneut weiter. Wir laufen in Richtung Wald. An einem Baumstampf
angekommen – äh Baumstumpf- wir sind schon recht entkräftet, lassen wir uns nieder. Allerdings in Schieflage, da die Formation der Baumstümpfe auf einem Hang liegt.
Weitere Auf-, und Abstiege begleiten uns bis zu der Quelle „Source de Baise ma Mie“, dem Highlight des Tages. Die Gegend ist abenteuerlich.
Wir wandeln elfengleich den Catwalk entlang.


Die nachfolgende Passage führt an einer Straße entlang und ernüchtert uns, da die Autos mit mehr bzw. eher weniger großem Abstand an uns vorbei rauschen. Ein letzter großer Schauer begleitet uns nach Messigny et Vantoux. Inzwischen völlig durchnässt erreichen wir das Café „Le Lion D‘or, welches gleichzeitig als Kiosk, Pizzeria, Lotterieannahme und
Schlüsseldienst dient.

Während wir endlich unseren Cappuccino genießen, setzt sich Oleander mit unserer neuen Vermieterin Charline in Verbindung. Diese hat ein großes Auto und bringt uns damit in die große Stadt.
Seit Tagen freuen wir uns sehr über unsere Gastpilgerin Fleur, die am Abend zu uns stoßen wird. Wir kennen sie seit Jahren. Sie möchte einmal ausprobieren, wie Pilgern in der Ferne so geht. Ihre Anreise hat sie über die Schweiz zu uns geführt und nach etwas Suche erreicht sie unser Domizil. Das liegt am Place Wilson in sehr zentraler Lage etwas versteckt. Unsere Vorstellung, sie mit einem Glas Sekt zu empfangen, wird vereitelt. Beim Einkauf ist es 20:07 Uhr.

Der Supermarkt hat bereits ein Verbotsschild aufgestellt, die Abgabe von ALKOHOL ist verboten.
Wir vermuten, dass hier das Jugendschutzgesetz eine Rolle spielt.


*Roald Engelbregt Gravning Amundsen war ein norwegischer Seemann und Polarforscher und erreichte als erster Mensch den
Südpol.